Auf dem Domberg boomt der UL-Segelflug

Sonntag, den 27. November 2011 um 08:26 Uhr Administrator
Drucken PDF

UL-Segelflug.de/Banjo-Woche_Bad_Sobernheim_2011 Das Jahr 2011 war, was den UL-Segelflug betrifft, unerwartet gut gelaufen. Zumindest für den Ausbildungsstandort des LSVRP in Bad Sobernheim. Denn auf dem Domberg ist nicht nur die Verbandsflugschule des LSVRP zuhause, sondern auch eine der neun Außenstellen der Verbandsflugschule des DULSV (Deutscher Ultraleicht-Segelflugverband).

50 neue Scheininhaber an nur einem Ausbildungsstandort, das ist wahrlich eine reife Leistung. Bedenkt man, dass im Jahr zuvor die Zahl der neuen Scheininhaber bundesweit um "59 Neu-ULSF´ler" zugenommen hat, dann wird die herausragende Stellung von Bad Sobernheim für den UL-Segelflug besonders deutlich. Auf dem Domberg boomt der UL-Segelflug! Mit einem so überwältigenden Zuspruch hatte am Anfang der Saison 2011 niemand gerechnet, doch der Erfolg kam nicht von ungefähr. Inzwischen hat es sich in Fliegerkreisen schon herumgesprochen, dass man in Bad Sobernheim, dem neuen Mekka des UL-Segelflugs, unter allerbesten Bedingungen und zu moderaten Preisen den UL-Segelflugschein an nur einem Tag erwerben kann.

gt_weinberg_1354

Der Domberg ist ein zwar kleiner, aber doch recht feiner Verkehrslandeplatz am Südostzipfel der Hunsrücks, an dem man neben optimalen Ausbildungsmöglichkeiten auch auf Komfort nicht verzichten muss. Im neu renovierten Verbandsgebäude des LSVRP schlägt den Gästen nicht der Muff von Jugendherbergen aus den 50er Jahren entgegen, denn der Luftsportverband Rheinland-Pfalz hat dort in den letzten Jahren bewusst viel Geld in die Hand genommen, um Technikhalle, Verbandsgebäude, Sozial- und Schulungsräume sowie die Gästezimmer auf den neuesten Stand zu bringen. So kann man auf dem Domberg schnell die ganze Welt ringsum vergessen, schließlich ist man auf dem Hochplateau über Bad Sobernheim die ganze Woche unter sich und beim LSVRP ein gerne gesehener Gast.

ht_lsvrp-zimmer_1335ht_lsvrp-zimmer_1333

Dass das Interesse am UL-Segelflug stetig zunimmt, belegen die im Vergleich zu den Vorjahren stark gestiegenen Teilnehmerzahlen bei der auf dem Domberg angebotenen Banjo-Woche. Mit 30 Teilnehmern bei der 1. Banjo-Woche 2011 wurde bereits ein neuer Teilnehmerrekord erreicht, wobei aus Kapazitätsgründen noch nicht einmal alle Voranmeldungen berücksichtigt werden konnten. Ein paar Spätentschlossene mussten auf die nächste Banjo-Woche vertröstet werden. Da also weiterer Bedarf erkennbar war, hatten sich die Organisatoren entschlossen, im September eine 2. Banjo-Woche anzubieten. Und obwohl die Entscheidung für den endgültigen Termin recht kurzfristig gefallen war, gab es zusätzliche Teilnehmer, so dass die Sobernheimer Banjo-Saison 2011 mit 50 neuen ULSF-Scheininhabern abgeschlossen werden konnte. Ein Erfolg, der für das große Engagement der Verantwortlichen beim LSVRP in Sachen Förderung des UL-Segelfluges spricht.

Im Vergleich zu anderen Luftsportarten ist der UL-Segelflug zwar immer noch eine kleine Nischen-Luftsportvariante, die inzwischen aber merklich Fahrt aufnimmt. Während vielen Segelfliegern die UL-Segelfliegerei anscheinend immer noch suspekt erscheint und fälschlicherweise von einigen Zauderern weiterhin als gefährlich (weil zerbrechlich) eingestuft wird, haben andere vom UL-Segelflug anscheinend überhaupt noch nichts gehört. Um so erfreulicher war es deshalb auch, dass der UL-Segelflug beim 70. Deutschen Segelfliegertag in Darmstadt ebenfalls ein Thema war.

In einem einstündigen Vortrag, hinterlegt mit interessanten Bildern aus der UL-Segelflugszene, konnten dort den etwa 100 interessierten Zuhörern nicht nur die Vorteile des UL-Segelfluges, sondern auch die davon ausgehende Faszination der Einfachheit vermittelt werden.

Zwar lässt uns die Steigerungsrate von 50% bei den vom DAeC Luftsportgeräte-Büro in den letzten fünf Jahren ausgestellten ULSF-Lizenzen recht hoffnungsvoll in die Zukunft blicken, doch kann das nicht darüber hinwegtäuschen, dass 600 ULSF-Lizenzen lediglich 2% der aktiven Segelflugpilotenschaft bedeuten.
UL-Segelflug.de/ulsf-statistik_2011

(Quelle: Jahresberichte DAeC-Luftsportgeräte-Büro, Braunschweig)

Hier ist noch viel PR- und Überzeugungsarbeit zu leisten und hier sind alle ULSF´ler gefordert! Gemeinsam gilt es, Piloten anderer Luftsportarten für den UL-Segelflug zu begeistern; schließlich liegen die Vorteile der UL-Segelfliegerei klar auf der Hand:

- leichte Erlernbarkeit
- vereinfachte Umschulung für Segelflieger
- kein Scheinverfall
- kein IHP
- geringe Kosten bei hohem Flugspaß
- keine Kosten durch medizinische Wiederholungsuntersuchungen (nicht erforderlich)
- keine luftfahrtgeprüften Teile vorgeschrieben (Kostenreduzierung beim Unterhalt)
- positive Steigwerte selbst bei Mikro-Thermik
- einfaches Handling am Boden bei sehr niedrigem Flugzeuggewicht (max. 120 kg)

Im Vergleich zur normalen Segelfliegerei hat der UL-Segelflug somit eine Menge handfester Vorteile aufzuweisen, jedoch auch einen Nachteil. Die Typenvielfalt ist bekanntermaßen bei den Ultraleichten mit lediglich drei Flugzeugmustern immer noch mehr als bescheiden. ULF-1, Banjo und GFW-3. Das war´s auch schon, denn weitere Typen gibt es (in Deutschland) bisher leider nicht, sieht man von Carbon-Dragon, Swift-light und Archaeopteryx einmal ab. Lizenzrechtlich fallen Letztere zwar in die Kategorie der UL-Segelflugzeuge und dürfen auf Grund ihrer Dreiachssteuerung nur mit gültiger UL-Segelfluglizenz geflogen werden, doch auf einem Segelfluggelände wird man diese Typen wohl vergeblich suchen. Von ihrer Bauart sind diese nämlich Hängegleiter und demzufolge fast ausschlißlich an Hangfluggeländen oder im Gebirge zu Hause.

Betrachtet man sich auf der Graphik außerdem die Anzahl der beim DAeC-Gerätebüro registrierten Gleitflugzeuge (GF), dann wird das ganze ULSF-Dilemma deutlich. 30 registrierte Gleitflugzeuge und kaum Aussicht auf eine Steigerung der Zulassungszahlen. Wie auch - schließlich gibt es das ULF-1 nirgendwo zu kaufen; es wird entweder vererbt oder man baut es selbst nach Plan.

Allein das Banjo kann zum Neupreis von ca. 15.000 € bei Cumulus (Peter Poppe) in Schülldorf geordert werden. Gebrauchte sind so gut wie überhaupt nicht zu bekommen. Wer einmal vom ULSF-Virus befallen wurde und sich zur Anschaffung eines Banjos entschieden hat, der wird sich von seinem Schmetterling so schnell nicht wieder trennen. Schließlich kann man im Banjo -entgegen landläufiger Meinung- durchaus auch Streckenflug betreiben, was sich anhand der OLC-Meldungen von Werner Metzger vom Hotzenwald belegen lässt. In den letzten beiden Jahren hat er mehrfach Strecken jenseits 300 km hochgeladen.

Was die GFW-3 betrifft, so handelt es sich bei diesem hervorragenden UL-Segelflugzeug mit GZ35 bedauerlicherweise (bis jetzt) nur um einen Prototyp und immer noch um ein Einzelstück. Schade, dass die deutschen Segelflugzeugschmieden vom ultraleichten Segelflug noch immer nichts zu halten scheinen, obwohl es sich bei der GFW-3 um eine bemerkenswerte Neukonstruktion mit Wölbklappen und hervorragenden Leistungsdaten handelt. Nicht umsonst wurde Dr. Gerhard-Friedrich Wagner beim Sommertreffen der Oscar-Ursinus-Vereinigung in Offenburg der diesjährige OUV-Preis für seine Konstruktion verliehen.
gt-gfw3_landeanflug_7071

Doch trotz den bei UL-Segelflugzeugen zwischenzeitlich erreichten Leistungsdaten wie die der GFW-3 oder dem amerikanischen Erfolgsmodell SparrowHawk mit GZ38, 70 kg Leergewicht und einem Preis von ca. 30.000 € (trotz Kohlefaser-Konstruktion), scheint für die deutschen Segelflugzeugbauer weiterhin das altbekannte Motto schneller, weiter, größer, schwerer, teurer zu gelten. Wenn der Schuss dabei nicht irgendwann einmal nach hinten losgeht!

Publikationen zum Thema:

In Rheinland-Pfalz boomt der UL-Segelflug
GFW-3 erhält Oscar-Ursinus-Preis
GFW-3: Neuer Stern am UL-Segelflughimmel

Kommentar schreiben


Sicherheitscode
Aktualisieren

Zuletzt aktualisiert am Montag, den 06. Februar 2012 um 18:16 Uhr

Auf Facebook weiterempfehlen

Kontakt

Klaus Burkhard
Petrus-Waldus-Str. 14
64372 Ober-Ramstadt
Germany

Telefon: +49 (0)6154-60 88 304
Mobil: +49 (0)1578-82 80 702
email: info@ul-segelflug.de