Fliegen ohne Medizinmann´s Segen ist doch wahrlich eine feine Sache, schließlich spart man dabei auch noch Geld. Vor allen Dingen dann, wenn man ein gewisses Alter überschritten hat und sich unaufhaltsam immer weiter seinem fliegerischen Ablaufdatum nähert, das bei jedem von uns einmal kommen wird; beim einen früher und beim anderen später.
So mancher Oldie unterliegt hier allerdings dem irrigen Glauben, dass, wenn der Fly-Doc seinen Medizinerdaumen senkt und ihm die heißbegehrte Fliegertauglichkeit verweigert, er nun seiner fliegerischen Leidenschaft auf ultraleichte Weise frönen kann. Diese Ansicht ist natürlich falsch, denn wem die Fliegertauglichkeit verweigert wird, der ist selbstverständlich nicht nur für den Segelflug, sondern auch für alle anderen Luftsportarten fluguntauglich. Das gilt selbstverständlich auch für solche Luftsportarten, für die man überhaupt kein Medical benötigt. Das gilt genau so für den ultraleichten Segelflug, wie Drachen- oder Gleitschirmfliegen.
Auch ein bestandenes Medical ist natürlich keine Garantie dafür, dass man im nächsten Jahr die Praxis seines Fliegerarztes wieder kerngesund betreten und zwischenzeitlich immer unbekümmert in ein Flugzeug steigen kann. Bei auftretenden gesundheitlichen Problemen sitzt man mit einem gültigen Medical zwar papiermäßig legal in seinem Cockpit, doch rein rechtlich muss auch dann auf eine fliegerische Betätigung verzichtet werden, wenn man sich unwohl fühlt oder Anzeichen einer (wenn auch vielleicht vorübergehenden) Fluguntauglichkeit bei sich selbst erkennt. Und das kann selbstverständlich viele Gründe haben.
Wenn dann der Hausarzt meines Vertrauens mir auf Grund von erkennbaren oder festgestellten physischen/psychischen Defiziten auch noch dazu rät, in Zukunft besser (erst mal) nicht mehr als verantwortlicher Pilot/Fahrer in ein Flugzeug/Auto einzusteigen -verbieten kann er es ja schließlich nicht, dann sollte man sich lieber daran halten und seine fliegerischen Aktivitäten vom Flugzeug-Cockpit an den Schreibtischstuhl verlegen und besser im Cockpit eines Flugsimulators in der Thermik kreisen.
Zum finalen Schritt braucht´s sicher eine ganze Menge Mut und eine gehörige Portion ehrlicher Selbstkritik, Selbstbeobachtung und Selbstbeurteilung. Hoffentlich hat jeder von uns diese Gabe - ich hoffe das natürlich auch für mich. Schließlich bin auch ich mit Leib und Seele Flieger und habe meinen fliegerischen Zenit schon lange überschritten.
Unter der Überschrift „Ein Appell an die Piloten über 50“ gibt es eine interessante Flugunfall-Information des LBA. Die wurde zwar bereits im Juni 1992 schon herausgegeben, doch hat sie in den zurückliegenden zwanzig Jahren an Aktualität nichts eingebüßt.
Jeder sollte sie einfach für sich selbst mal wieder durchlesen und danach seine körperliche und geistige Verfassung selbstkritisch hinterfragen. Auch Vereinsvorstände, Fluglehrer und Vereinskameraden sollten immer wieder mal ein kritisches Auge auf uns Oldies werfen und im Zweifelsfalle auch den Mut aufbringen, vertraulich ein offenes Wort unter vier Augen mit den Veteranen reden, auch wenn das für beide Seiten erst mal schwierig ist. Dies gilt insbesondere gerade dann, wenn der Betroffene ein langjähriges und verdientes Mitglied ist, der den Verein vielleicht mit aufgebaut und jahrzehntelang der Fliegergemeinde treu zu Diensten war und ohne ihn/sie im Verein (vermeintlich) so wie so nichts geht.
"Ein Appell an die Piloten über 50"
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