Pressearbeit ist eine der tragenden Säulen bei der Außenwerbung. Auch im Luftsport ist sie ein nicht zu unterschätzendes Werkzeug wenn es darum geht, als Verein in der Öffentlichkeit wahrgenommen zu werden. Ein besonderes Problem ist dabei aber allen Luftsportarten gemein: Sie werden nicht dem Breitensport zugerechnet, da sich die große Masse nicht für Luftsport interessiert. Viele Vereine wie auch einzelne Verbände dämmern still und leise vor sich hin. Sie warten drauf, von einem edlen Prinzen aus ihrem Dornröschenschlaf wachgeküsst zu werden.
Der herbeigewünschte Prinz ist in diesem Fall die lokale Presse, der Reporter und der Fotograf der heimatlichen Tageszeitung. Vielleicht auch nur der Mensch vom regionalen "Kostnix-Werbeblättchen". So schlafen sie geduldig vor sich hin und merken dabei nicht, dass das Mitglieds-Durchschnittsalter immer höher wird und sich die Mitgliedszahlen langsam aber sicher einer kritischen Masse nähern. Vereine im Dornröschenschlaf sind tickende Zeitbomben, deren biologisches Ablaufdatum unaufhaltsam näher rückt.
Dass die Pressefritzen meist nicht von selber zu uns auf den Flugplatz finden, liegt oft an einer still vor sich hinvegetierenden, sprich nicht existenten Pressearbeit. Bei einem Unfall sind sie plötzlich alle da, obwohl wir grade jetzt sie allesamt zum Teufel wünschen. Aus einer Mücke wird ein Elefant gemacht, aus einer Außenlandung auf dem nahen Acker wird ein Absturz. Geht die Sache für uns glimpflich ab, dann wird doch wenigstens von einer Notlandung auf dem frisch gepflügten Acker von Bauer Kunze aus dem Ort berichtet, bei der der Unglückspiloteur natürlich nur mit sehr viel Glück, der großen Katastrophe knapp entkommen ist.
Was liegt also näher, als daran zu arbeiten, öfter mal mit positiven Themen in der lokalen Presse auf uns aufmerksam zu machen? Themen gibt es hierfür wohl genug: Jugendarbeit, Winterarbeit, Frauen im Verein, Umweltschutz, Neues Flugzeug, Erstflug des jüngsten/ältesten Flugschülers u.v.m., sind neben unserem Flugplatzfest dankbare Themen, über die man selbst im Winterhalbjahr regelmäßig schreiben kann. Denn auch und gerade für den Luftsport gilt die alte PR-Devise: Wer nicht wirbt - stirbt!
Auch über fliegerische Erfolge gilt es zu berichten, insbesondere natürlich dann, wenn man über die Leistung eines jungen Flugschülers oder einer jungen Flugschülerin -Erster Alleinflug mit 14, Fünfstundenflug, 50 km-Flug- berichten kann. Selbstverständlich sind auch Artikel über Streckenflüge der alten Hasen eine Möglichkeit, die Vereinspräsenz in der lokalen Presse weiter anzukurbeln.
Wer jedoch glaubt, dass ein Blatt Papier mit ein paar unsortierten Informationen vom wichtigen Vereinsereignis reicht, der irrt gewaltig. Wer glaubt, dass der Presseonkel in der Zeitungsredaktion schon eine Story daraus machen wird, der ist leider schief gewickelt, denn Zeitungsredakteure stehen unter einem enormen Zeitdruck. Wenig Sachkenntnis von der Fliegerei als solches haben sie vermutlich auch. Der Info-Zettel geht mit großer Wahrscheinlichkeit sofort und sehr geräuschvoll durch den Schredder. Beim Versand per Email fällt das für uns so wichtige und interessante Ereignis vermutlich ungelesen der DEL-Taste des Redaktions-PC´s zum Opfer. Und wenn im Email-Kopf noch 25 andere Redaktionsadressen auftauchen, dann... grrrrr!
Pressemitteilungen sollten folglich nicht nur ein paar Stichworte oder ungereimte Sätze, sondern möglichst fertige (druckreife) Artikel enthalten, die man in der Redaktion ohne großen Änderungs- und Korrekturaufwand blitzschnell übernehmen kann. Dass die Artikel dabei möglichst interessant bzw. spannend oder lustig sein müssen, sollte selbstverständlich sein. Außerdem muss die Story für Fußgänger nicht nur leicht zu lesen, sondern auch verständlich sein. Schließlich schreiben wir ja nicht für unsere Vereinsmitglieder, sondern für die "flugunfähige Öffentlichkeit", der wir unseren Sport, unsere Jugendarbeit, unsere Leistungen, unsere Faszination und den damit verbundenen Freizeitwert näher bringen wollen. Wer diese Punkte bei der Pressearbeit beherzigt, schafft die Grundvoraussetzungen zur Veröffentlichung. Doch eine Garantie zum Druck ist auch das noch lange nicht. Letztendlich bestimmt der Redakteur für sich alleine, ob ein Artikel in den Druck geht oder nicht.
Pressearbeit lässt sich auch nicht einfach aus dem Ärmel schütteln. Ein paar Grundkenntnisse im Umgang mit den Pressefritzen gilt es dabei in jedem Falle zu beachten. Ansonsten ist man schnell verbrannt und schmeißt als Pressewart frustriert den Krempel wieder hin. Ein guter Einstieg in die Tätigkeit als PressRef wäre auf jeden Fall, zuerst einmal ein Presse-Seminar zu besuchen. Da es dabei um das Grundhandwerkzeug der Pressearbeit geht, müssen die Themen auch nicht zwingend luftsportspezifisch sein. Deshalb kann man auch problemlos Seminare anderer Vereine, Verbände oder Organisationen besuchen, die mit Luftsport überhaupt nichts am Hut haben. Das Grundhandwerkszeug für eine erfolgreiche Pressearbeit ist dabei für alle gleich.
Wer sich ab und zu die Mühe macht, Webseiten anderer Flugsportvereine einmal ganz gezielt nach Presseartikeln zu durchforsten, der stößt dort meist auch auf eine Rubrik, unter der die über den Verein veröffentlichten Zeitungsartikel eingesehen werden können. Auf diese Weise kann man zumindest Ideen für mögliche eigene Themen bekommen.
Über eine Sache sollte man sich auf jeden Fall im Klaren sein: Unter dem Artikel und dem veröffentlichten Bild wird man nur selten seinen eigenen Namen finden. Bei KostNix-Blättchen steht dort meist das Zeitungskürzel, beim Artikel in der Tagespresse steht im Regelfall das Kürzel des zuständigen Lokalredakteurs, der dafür sein übliches Zeilenhonorar erhält. Verein und PressRef gehen in der Regel leer dabei aus, denn die Zeitung betrachtet die Veröffentlichung als kostenlose Vereinswerbung.
Downloads:
Checklisten für die Öffentlichkeitsarbeit (Deutscher Sportbund)
Pressearbeit im Verein (LuftSport-Magazin 1-2012)
Pressewart? Nein danke! (segelfliegen-magazin 4-2009)
Beispiele eigener Presseartikel
Buchtipps:
Praxiswissen Presse- und Öffentlichkeitsarbeit
Ein Leitfaden für Verbände, Vereine und Institutionen
von Norbert Franck von VS Verlag für Sozialwissenschaften
(Taschenbuch - 26. Oktober 2011) 19,95 €
Die professionelle Pressemitteilung
Ein Leitfaden für Unternehmen, Institutionen, Verbände und Vereine
von Katrin Bischl von VS Verlag für Sozialwissenschaften
(Taschenbuch - 27. Januar 2011) 19,95 €
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